Sicherheitskontrolle Klasse B96 / BE
Dein Fahrplan zum Erfolg mit dem schweren Gespann.
Der Prüfungsablauf im Überblick
Zu Beginn der Prüfung möchte der Sachverständige sehen, dass du das Gespann nicht nur fahren, sondern auch technisch beherrschen kannst. Der Ablauf ist klar strukturiert:
Ankuppeln (Reihenfolge einhalten)
Die Reihenfolge ist so gewählt, dass maximale Sicherheit gegen Wegrollen und Beschädigung besteht.
Vorbereitung & Positionierung
- Das Zugfahrzeug unter Absicherung durch den Sicherungsposten (SiPo) so nah wie möglich an den Anhänger heranfahren.
- Abdeckplane (wenn vorhanden) und Diebstahlschutz am Anhänger entfernen und sicher verstauen.
- Prüfung der Höhe: Die Anhängerkupplung muss per Stützrad so weit hochgedreht werden, dass sie höher als der Kugelkopf des Zugfahrzeugs liegt.
Heranführen & Verbinden
- Die Sicherungskeile unter den Rädern des Anhängers ein Stück verschieben, um den nötigen Spielraum zum Bewegen zu schaffen.
- Feststellbremse am Anhänger lösen, damit der Anhänger beweglich wird.
- Den Anhänger vorsichtig über die Anhängerkupplung (AHK) des PKW ziehen.
- Mit der Stützradkurbel den Anhänger kontrolliert herunterfahren, bis die Kupplung auf dem Kugelkopf einrastet und die Verbindung hergestellt ist.
Die Dreifach-Sicherung (Sitzkontrolle)
- Sitzprüfung: Das Stützrad kurz wieder runterkurbeln, um zu prüfen, ob der PKW mit angehoben wird (Bestätigung, dass die Kupplung fest sitzt) und dann wieder hochkurbeln.
- Sicherungs- und Verschleißanzeige: Den Sicherungssplint/die Anzeige (muss auf Grün/+ stehen) sowie die Verschleißskala an der Kupplung kontrollieren.
Technische Anschlüsse & Absicherung
Die Reihenfolge dieser Punkte ist laut Prüfungsrichtlinie variabel:
- Abreißseil: Das Seil durch die vorgesehene Öse am Zugfahrzeug führen und als Schlaufe einhaken. Nur wenn keine Öse vorhanden ist, darf es über den Kugelkopf gelegt werden.
- Stützrad: Das Rad vollständig hochdrehen, in die Arretierung ziehen und sicher verriegeln.
- Elektroverbindung: Den Stecker in die Steckdose am PKW einstecken und verriegeln.
- Unterlegkeile: Die Keile endgültig entfernen und sicher in den Halterungen am Anhänger verstauen.
Abfahrtkontrolle
- Unmittelbar nach dem Ankuppeln die Funktion der elektrischen Einrichtungen (Lichtcheck) prüfen.
- Vollständige Sichtkontrolle rund um das Gespann durchführen (Reifen, Ladungssicherung, Kennzeichen und HU-Termin).
- Vor dem Losfahren eine der drei Bremsproben durchführen.
Abkuppeln (Reihenfolge einhalten)
Beim Abkuppeln ist die Einhaltung der Reihenfolge entscheidend, damit das Gespann nicht unter Spannung steht und der Anhänger sicher steht.
- Positionierung & Entlastung:
- Das Gespann zum Abkoppeln gerade positionieren (bei Rückwärtsfahrt Sicherungsposten einsetzen).
- Zug entlasten: Kurz ein kleines Stück nach vorne fahren, damit die Auflaufeinrichtung nicht zusammengeschoben ist.
- Am Zugfahrzeug den Motor ausschalten und die Feststellbremse fest anziehen.
- Anhänger sicher fixieren:
- Zuerst die Feststellbremse des Anhängers fest anziehen.
- Die Unterlegkeile fest vor oder hinter die Räder des Anhängers legen (je nach Gefälle), um ihn gegen Wegrollen zu sichern.
- Trennen der Verbindung:
- Stützrad bis zum festen Bodenkontakt runterdrehen.
- Kupplung am Handgriff öffnen und das Stützrad so weit weiter runterkurbeln, bis die Kupplungsklaue den Kugelkopf des PKW vollständig freigibt.
- Elektroverbindung am Zugfahrzeug lösen und den Stecker in die Halteschale/Parkdose am Anhänger legen.
- Abreißseil am Zugfahrzeug lösen und ordnungsgemäß am Anhänger verstauen.
- Abschlussarbeiten:
- Das Zugfahrzeug vorsichtig ein Stück vorfahren.
- Den Anhänger mit dem Stützrad in die Waage bringen.
- Diebstahlschutz (Schloss) befestigen und die Abdeckplane über die Kupplung ziehen.
- Plastikschutz über den Kugelkopf des PKW ziehen.
- Abschließende Sichtkontrolle: Einmal um den Anhänger gehen, Ladung prüfen und den Anhänger verschließen.
Der Lichtcheck (Funktionsprüfung)
Bitte die Hilfsperson im Fahrzeug, das Abblendlicht einzuschalten. Damit prüfst du die gesamte Grundbeleuchtung:
- Begrenzungsleuchten (vorne): Die weißen Lämpchen an der Stirnseite des Anhängers, die dem Gegenverkehr die Breite anzeigen.
- Seitenmarkierungsleuchten (seitlich): Die gelben Leuchten oder Rückstrahler entlang der Längsseite.
- Schlussleuchten (hinten): Die roten Rücklichter am Heck des Anhängers.
- Kennzeichenbeleuchtung: Das Nummernschild muss vollständig und gleichmäßig ausgeleuchtet sein.
- Dreiecksrückstrahler: Du musst explizit erwähnen, dass diese Rückstrahler bei Anhängern immer dreieckig sein müssen.
Anschließend bittest du um die Prüfung der aktiven Signale:
- Bremsleuchten: Prüfung auf beiden Seiten; sie müssen deutlich heller aufleuchten als die Schlussleuchten.
- Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker): Getrennte Kontrolle für links und rechts am Heck des Anhängers.
- Nebelschlussleuchte: Die helle rote Leuchte für schlechte Sichtverhältnisse.
- Rückfahrscheinwerfer: Die weiße Leuchte, die bei eingelegtem Rückwärtsgang leuchtet.
Der abschließende Massefehler-Check:
- Warnblinkanlage: Schalte zum Abschluss die Warnblinkanlage ein.
- Prüfung auf Massefehler: Achte genau darauf, ob die Blinker sauber und kräftig gelb blinken.
- Fehlerbild: Wenn andere Leuchten (wie die Kennzeichenbeleuchtung oder die Schlussleuchten) im Rhythmus der Blinker mitschwanken oder mitleuchten, liegt ein Massefehler vor. Dies passiert oft durch Korrosion an der Steckverbindung oder am Rahmen.
Vollständige Sichtkontrolle
1. Zustand von Aufbau und Dach
- Lose Teile: Kontrolliere, ob alle Verschlüsse (Bordwandverschlüsse) fest eingerastet und gesichert sind.
- Dachkontrolle: Prüfe, ob sich auf dem Dach des Anhängers (oder der Plane) Wasseransammlungen, Äste oder im Winter Eisplatten befinden, die beim Fahren herabstürzen könnten.
2. Ausführliche Reifenprüfung
An jedem Rad des Anhängers (und idealerweise auch beim Zugfahrzeug) musst du folgende vier Punkte ansprechen:
- Profiltiefe: Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm über die gesamte Lauffläche.
- Äußerer Zustand: Achte auf Risse, Beulen (Karkassschäden) oder eingezogene Fremdkörper (Nägel, Steine) in der Reifenwand und im Profil.
- Luftdruck: Prüfe optisch, ob der Reifen einen „Plattfuß“ hat; erwähne, dass der exakte Druck am kalten Reifen mit einem Prüfgerät nach Herstellervorgabe kontrolliert wird.
- Radmuttern: Kontrolliere stichprobenartig den festen Sitz der Radschrauben und achte auf Rostspuren, die auf lose Muttern hindeuten könnten.
3. Ladung und Sicherung
Da wir die gesetzlich geforderte Mindestmasse (800 kg) erreichen müssen, ist die Kontrolle der Ladung ein kritischer Prüfungspunkt:
- Der Grund für 10 Europaletten: Eine genormte Europalette wiegt je nach Holzfeuchte etwa 20 bis 25 kg.
- Die Berechnung: Unser Anhänger hat ein Leergewicht von 625 kg. Bei 10 Paletten (à ca. 20 kg) addieren wir 200 kg Ladung hinzu, wodurch wir auf ein tatsächliches Gewicht von ca. 825 kg kommen. Damit liegen wir sicher über der gesetzlichen Mindestgrenze von 800 kg für die Prüfungsmasse.
- Art der Sicherung: Wir nutzen die kraftschlüssige Ladungssicherung (Niederzurren). Dabei wird die Ladung durch die Spannung der Gurte auf die Ladefläche gepresst, um die Reibung zu erhöhen.
Deine Checkliste am Anhänger:
- Vollständigkeit: Kontrolliere, ob alle 10 Paletten ordnungsgemäß verladen sind.
- Sicherungselemente: Prüfe die Spanngurte auf Risse, Scheuerstellen oder Schnitte (Ablegereife) und kontrolliere, ob die Ratschen fest verzurrt und verriegelt sind.
- Hilfsmittel: Achte auf den korrekten Einsatz von Antirutschmatten unter den Paletten und den Kantenschutz an den Palettenkanten, um die Gurte vor scharfen Kanten zu schützen und die Spannkraft gleichmäßig zu verteilen.
- Zustand der Ladung: Die Paletten selbst müssen in einem guten Zustand sein (keine losen Bretter oder Splitter), damit die Sicherung stabil bleibt.
4. Dokumente und Kennzeichen
- Kennzeichen: Das hintere Kennzeichen muss sauber, gut lesbar und fest montiert sein.
- HU-Plakette: Prüfe den Termin für die nächste Hauptuntersuchung auf der Plakette (Monat/Jahr).
- Zulassungsbescheinigung Teil I: Erwähne, dass du den Fahrzeugschein für den Anhänger (oder eine Kopie) mitführst.
Sobald diese Punkte abgearbeitet sind, bittest du den Prüfer einzusteigen und führst unmittelbar nach dem ersten Anrollen eine der drei Bremsproben durch.
Die drei Bremsproben
1. Die Funktionsprüfung der Feststellbremse (Anfahrprobe)
Diese Probe zeigt, ob die Bremse des Anhängers überhaupt greift.
- Durchführung: Die Feststellbremse des Anhängers fest anziehen.
- Aktion: Mit dem Gespann vorsichtig gegen die Bremse anfahren.
- Beobachtung: Der Wagen muss hinten spürbar „in die Knie gehen“ (der PKW taucht hinten ein).
- Abschluss: Die Feststellbremse des Anhängers wieder vollständig lösen.
2. Die Wirkungsprüfung der Betriebsbremse (Rollprobe)
Hier wird geprüft, ob die Auflaufbremse während der Fahrt korrekt verzögert.
- Durchführung: Mit dem Gespann eine geringe Geschwindigkeit (ca. 10 km/h) erreichen.
- Aktion: Die Betriebsbremse des PKW kurz und deutlich betätigen.
- Beobachtung: Der Anhänger muss spürbar auflaufen und das Gespann stabil abbremsen.
- Wichtig: Es darf dabei kein metallisches Schlagen auftreten (ein Zeichen für einen defekten Auflaufdämpfer).
3. Die Sichtprüfung der Auflaufeinrichtung (Ziehharmonika-Test)
Dies ist die technische Kontrolle des Auflaufweges, bei der oft die „2/3-Regel“ abgefragt wird.
- Durchführung: Eine zweite Person fährt das Gespann langsam an und bremst ab.
- Beobachtung: Du stehst daneben und beobachtest das Zugrohr an der Deichsel (die „Ziehharmonika“ bzw. der Faltenbalg).
- Die 2/3-Regel: Das Zugrohr darf beim Bremsen maximal zu 2/3 in die Auflaufeinrichtung einschieben.
- Fehlerbild: Schlägt das Rohr bis zum Anschlag durch, ist der Auflaufdämpfer defekt oder die Bremsanlage falsch eingestellt.
Ergänzende Sichtkontrolle der Bremse (Standprobe)
Bevor du losfährst, kontrollierst du im Stand zusätzlich:
- Faltenbalg: Muss unbeschädigt und ohne Risse sein.
- Abreißseil: Muss ordnungsgemäß durch die Öse geführt und unbeschädigt sein.
- Handbremshebel: Muss leichtgängig sein und darf keine Verformungen aufweisen.
Damit hast du alle sicherheitsrelevanten Aspekte der Bremsanlage abgedeckt. Denke daran, dass der Prüfer diese Details oft direkt vor der ersten Fahrt sehen möchte.
Die Grundfahraufgabe: Rückwärts um die Ecke
Das Ziel der Übung ist es, das Gespann sicher und kontrolliert rückwärts um eine 90-Grad-Kurve in eine Seitenstraße zu steuern.
1. Die drei Erfolgskriterien (Endposition)
Damit die Aufgabe als bestanden gilt, muss das Gespann am Ende wie folgt zum Stehen kommen:
- Parallelität: Der gesamte Zug (PKW und Anhänger) muss parallel zum Bordstein bzw. zum Fahrbahnrand stehen.
- Gestreckt: Das Gespann muss vollkommen gerade gestreckt sein, es darf kein Knick zwischen Fahrzeug und Anhänger vorhanden sein.
- Abstand: Der maximale Abstand zum Bordstein darf 1 Meter nicht überschreiten.
2. Versuche und Korrekturzüge
In der Prüfung wird zwischen der Wiederholung der gesamten Aufgabe und dem Korrigieren innerhalb eines Versuchs unterschieden:
- Zwei Korrekturzüge: Innerhalb jedes Versuchs darf der Schüler maximal zweimal die Fahrtrichtung wechseln (ein Stück vorfahren), um die Position des Anhängers zu korrigieren oder das Gespann zu strecken.
- Zwei Versuche: Sollte der erste Versuch komplett misslingen (z. B. durch ein Abbruchkriterium), darf die gesamte Aufgabe einmal wiederholt werden. Ein zweiter Versuch ist also die letzte Chance.
3. Sicherheit und Sicherungsposten (SiPo)
- Warnweste: Der Sicherungsposten muss zwingend eine Warnweste tragen, um für den übrigen Verkehr und den Fahrer sichtbar zu sein.
- Blickkontakt: Der Fahrer muss während der gesamten Rückwärtsfahrt Blickkontakt zum SiPo halten.
- Aufgabe des SiPo: Er fungiert ausschließlich als Absicherung nach hinten. Er darf keine Einweisungen geben (z. B. Lenkanweisungen). Sobald der SiPo ein Haltesignal gibt, ist die Fahrt sofort zu stoppen.
Wichtige Zahlen und Fakten
Gewichte und Massen (Gesetzliche Vorgaben)
- Zulässige Gesamtmasse (zGM) Anhänger: In der Ausbildung und Prüfung muss der Anhänger eine zGM von mindestens 1.000 kg aufweisen.
- Tatsächliche Masse (Prüfung): Der Anhänger muss zum Zeitpunkt der Prüfung mindestens 800 kg wiegen.
- Gespann-Gesamtmasse: Die Klasse BE gilt für Züge aus einem Zugfahrzeug (Klasse B) und einem Anhänger mit einer zGM von bis zu 3.500 kg, sofern das Gesamtgewicht des Zugs über 4.250 kg liegen darf.
2. Die Beladung (Europaletten)
Um die geforderte Prüfungsmasse sicher zu erreichen, nutzen wir die Normmaße der Europalette:
- Gewicht pro Palette: Eine genormte Europalette wiegt je nach Feuchtigkeit ca. 20 bis 25 kg.
- Anzahl: Wir laden 10 Europaletten auf den Anhänger.
- Berechnung: Leergewicht Anhänger (625 kg) + 10 Paletten (~200 kg) = ca. 825 kg tatsächliche Masse.
3. Stützlast und Maße
- Stützlast: Diese muss mindestens 4 % der tatsächlichen Gesamtmasse des Anhängers betragen, mehr als 25 kg sind jedoch immer vorgeschrieben. Die maximale Stützlast (siehe Typenschild oder Fahrzeugschein) darf nicht überschritten werden.
- GFA-Endposition: Der maximale Abstand zum Bordstein darf nach dem Rückwärtsumsetzen 1 Meter nicht überschreiten.
- Profiltiefe: Die gesetzliche Mindesttiefe der Reifen beträgt 1,6 mm.
4. Die „2/3-Regel“ und Versuche
- Auflaufweg: Beim Bremstest darf das Zugrohr der Auflaufbremse maximal 2/3 des Weges einschieben.
- Grundfahraufgabe: Es sind maximal 2 Versuche für die gesamte Aufgabe und innerhalb eines Versuchs maximal 2 Korrekturzüge (Fahrtrichtungswechsel) erlaubt.
5. Ladungssicherung (Technik)
- Kraftschluss: Durch das Niederzurren mit Spanngurten wird die Reibung erhöht.
- Formschluss: Lückenloses Verladen gegen die Bordwände verhindert das Verrutschen durch mechanische Begrenzung.