Sicherheitskontrolle Klasse A
Die wichtigsten Checks vor der Fahrt – klar erklärt und direkt anwendbar.
Bevor es losgeht, musst du wissen, ob dein Motorrad in Ordnung ist. Wir zeigen dir die Sicherheitskontrolle so, dass du sie wirklich verstehst – nicht nur für die Prüfung, sondern auch für deinen Alltag.
Reifen
Einstiegsfrage: Was kontrollieren Sie am Reifen?
Wenn der Prüfer fragt, nennst du diese vier Punkte:
- Die Profiltiefe
- Den Reifendruck
- Den Zustand (Beschädigungen)
- Dass der Reifen „rund“ ist (die Kontur)
Frage: Wie kontrollieren Sie die Profiltiefe?
Gesetzlich: Mindestens 1,6 mm.
Kontrolle über TWI: Wir suchen die Markierung TWI (Tread Wear Indicator) an der Reifenflanke und schauen uns den Steg im Profil an.
Wichtiger Hinweis: Da wir oft englische/internationale Reifen nutzen, zeigt der TWI-Steg manchmal nur 0,8 mm oder 1,0 mm an. Da die gesetzliche Grenze aber 1,6 mm ist, reicht es nicht, wenn der Reifen gerade so am TWI ist.
Faustregel: Wir brauchen mindestens die doppelte TWI-Höhe, um sicherzugehen, dass wir über 1,6 mm liegen.
Frage: Wie prüfen Sie den Luftdruck?
Am kalten Reifen mit einem Manometer am Ventil. Die richtigen Werte finden wir im Bordbuch oder auf dem Aufkleber an der Schwinge. Bei Fahrten mit Sozius oder Gepäck muss der Druck erhöht werden.
Frage: Wie kontrollieren Sie den Zustand auf Beschädigungen?
Sichtprüfung auf Fremdkörper (Nägel, Schrauben), Risse in den Flanken oder Schnitte im Gummi.
Frage: Warum muss der Reifen „rund“ sein? (Blick von vorne/hinten)
Ein Motorradreifen hat eine gewölbte Form, damit man Schräglage fahren kann. Viele Fahrer nutzen den Reifen aber nur in der Mitte ab (Geradeausfahrt), wodurch er dort flach wird.
Die Gefahr: Es entsteht eine sogenannte Kippkante. Wenn man sich dann in die Kurve legt, „fällt“ das Motorrad plötzlich über diese Kante ab. Deshalb prüfen wir durch Sichtprüfung von vorne oder hinten, ob die Kontur noch gleichmäßig gewölbt („rund“) ist oder ob der Reifen bereits eckig gefahren wurde.
Flüssigkeiten & Kraftstoff
Frage: Wie kontrollieren Sie Kühlwasser, Öl und Bremsflüssigkeit?
Kühlwasser: Sichtprüfung am Ausgleichsbehälter. (Hinweis: Bei Modellen wie der Kawasaki oft schwer zu finden/einzusehen).
Motoröl: Kontrolle über das Sichtglas oder den Peilstab. Die Maschine muss dabei unbedingt waagerecht stehen (nicht auf dem Seitenständer).
Bremsflüssigkeit: Muss an zwei Stellen kontrolliert werden (separater Behälter für die Vorderbremse am Lenker und für die Hinterbremse meist seitlich am Rahmen).
Kraftstoff: Kontrolle über die Tankanzeige im Cockpit oder die Warnleuchte.
Antrieb (Kette, Riemen, Kardan)
Einstiegsfrage: Welche Antriebsarten gibt es beim Motorrad?
Es gibt drei gängige Arten:
- Kardanwelle
- Kette (am häufigsten)
- Zahnriemen
Frage: Was kontrollieren Sie bei der Kette?
Durchhang: Die Kette darf nicht zu stramm und nicht zu locker sein (meist 2-3 cm Spiel an der lockersten Stelle).
Schmierung & Sauberkeit: Die Kette muss immer gut gefettet und frei von grobem Schmutz sein.
Verschleiß (Ritzel & Kettenrad): Wir prüfen die Zähne. Sie dürfen keine „Haifischzähne“ bilden. Die Spitzen dürfen nicht spitz zulaufen, sondern müssen oben abgeflacht sein. Sind sie spitz, bricht der Zahn bald aus.
Frage: Was kontrollieren Sie beim Zahnriemen?
Zustand: Sichtprüfung auf Risse, ausgebrochene Zähne oder eingedrungene Steinchen.
Spannung: Auch der Riemen darf nicht zu locker sitzen (Prüfung oft durch Verdrehen des Riemens nach Herstellervorgabe).
Frage: Was kontrollieren Sie beim Kardanantrieb?
Dichtigkeit: Wir prüfen am Endantrieb (beim Hinterrad), ob Öl austritt. Das System ist wartungsarm, muss aber absolut trocken sein.
Licht & Warnsignale
Einstiegsfrage: Wie prüfen Sie die Beleuchtung vorne (die 3,5-Regel)?
Vorne prüfen wir 3 ganze Lichter und ein „halbes“:
1. Standlicht
2. Tagfahrlicht / Abblendlicht
3. Fernlicht (hierbei auch die blaue Kontrolleuchte im Cockpit prüfen)
3,5. Lichthupe (das „halbe“ Licht)
Frage: Wie prüfen Sie die Beleuchtung hinten (Die 3,5-Regel)?
Hinten prüfen wir ebenfalls 3 ganze Punkte und ein „halbes“:
1. Schlussleuchte (Rücklicht)
2. Bremslicht: Wichtig – dieses muss 2x betätigt werden (einmal über den Handbremshebel und einmal über den Fußbremshebel).
3. Kennzeichenbeleuchtung
3,5. Reflektor (der Rückstrahler – das „halbe“ Licht, da er nicht selbst leuchtet)
Frage: Wie ist der korrekte Ablauf bei der Blinkerprüfung?
Wir prüfen das Blinklicht systematisch (immer inklusive der Kontrolleuchten im Cockpit):
- Links (3 Kontrollen): Vorne, hinten und die Kontrolleuchte im Cockpit.
- Rechts (3 Kontrollen): Vorne, hinten und die Kontrolleuchte im Cockpit.
- Warnblinklicht (6 Kontrollen): Vorne (2x), hinten (2x) und die Kontrolleuchten im Cockpit (2x).
Frage: Was gehört noch zur elektrischen Prüfung?
– Hupe: Kurze Funktionsprüfung.
– Kill-Switch (Not-Aus): Er muss in der richtigen Stellung sein, damit die Maschine startet.
Bremsanlage (Das 5-Punkte-System)
Einstiegsfrage: Was prüfen Sie an der Bremsanlage?
Wir folgen dem Weg vom Hebel bis zum Rad in fünf Schritten:
- Bremsscheibe (Zustand)
- Funktionsprüfung (Druckpunkt/Rollen)
- Bremslicht (Schalterprüfung)
- Bremsflüssigkeit (Füllstände)
- Bremsbeläge (Verschleiß)
Punkt 1: Die Funktionsprüfung im Stand
Während wir auf der Maschine sitzen, schieben wir das Motorrad leicht vor:
- Vorderbremse: Hebel ziehen, das Motorrad muss sofort stoppen. Wir prüfen dabei den Druckpunkt (der Hebel darf sich nicht bis zum Griff durchziehen lassen).
- Fußbremse: Ebenfalls beim Rollen treten; die Bremse muss sofort greifen.
Punkt 2: Das Bremslicht (Hand- und Fußschalter)
Wir prüfen, ob beide Schalter funktionieren, ohne uns zu verrenken:
- Vorderbremse: Die rechte Hand zieht den Hebel. Gleichzeitig halten wir die linke Hand als Reflektor hinter das Bremslicht. Wir ziehen 2x kurz und prüfen den Lichtschein in der Handfläche.
- Hinterbremse: Wir drücken mit der rechten Hand die Fußbremse nach unten. Die linke Hand bleibt wieder als Reflektor hinten am Licht – ebenfalls 2x prüfen.
Punkt 3: Die Bremsflüssigkeit
Das Motorrad muss für diese Prüfung waagerecht stehen:
Wir kontrollieren an beiden Behältern (am Lenker für vorne und meist seitlich am Rahmen für hinten), ob der Stand zwischen der MIN- und MAX-Markierung liegt.
Punkt 4: Die Bremsbeläge
Sichtprüfung direkt am Bremssattel: Wir schauen von vorne (oder hinten) zwischen Bremsscheibe und Bremssattel. Man muss deutlich erkennen, dass noch Belagmaterial auf der Trägerplatte vorhanden ist. Die Beläge dürfen nicht bis auf das Metall abgenutzt sein.
Punkt 5: Die Bremsscheibe
Wir prüfen die Scheibe optisch auf:
- Riefenbildung: Die Oberfläche sollte glatt sein.
- Sauberkeit: Die Scheibe muss absolut fett- und ölfrei sein.
- Zustand: Keine Risse oder bläuliche Verfärbungen (Hinweis auf Überhitzung).
Lenkkopflager & Lenkspiel
Frage: Wie würden Sie das Lenkkopflager überprüfen?
Voraussetzung: Um das Lenkkopflager (Spiel oder Rastpunkte) korrekt zu prüfen, müsste das Vorderrad vollständig entlastet sein (frei schweben).
Besonderheit bei unseren Maschinen: Unsere Motorräder (Klasse A) haben keinen Hauptständer.
Die Antwort für den Prüfer: „Da dieses Fahrzeug keinen Hauptständer besitzt, kann ich das Lager hier im Stand nicht sicher prüfen. Normalerweise würde man das entlastete Vorderrad vor- und zurückbewegen (Spielprüfung) und den Lenker langsam von Anschlag zu Anschlag drehen, um auf Rastpunkte zu prüfen.“
Frage: Was können Sie ohne Hauptständer dennoch prüfen?
Wir können die Leichtgängigkeit im Stand prüfen: Den Lenker bei langsamem Rollen oder im Stand (leicht entlastet) von links nach rechts bewegen. Er darf nicht schwergängig sein oder klemmen. Zudem achten wir auf die Kabel und Leitungen – diese dürfen beim Lenken nicht spannen oder eingeklemmt werden.