Zum Inhalt springen

Geschwindigkeiten im Fokus:

Von der Präzision zur Übersicht

Um ein Fahrzeug sicher zu führen, nutzen wir je nach Situation drei spezielle Geschwindigkeitsstufen. Diese bilden das Fundament für die Fahrzeugbeherrschung und die Sicherheit im Verkehr.

1. Schrittgeschwindigkeit (4–7 km/h)

Die Basis für verkehrsberuhigte Bereiche und besondere Gefahrenstellen.

  • Tempo: 4–7 km/h (maximal zweistellig auf dem Tacho).
  • Technik: Wird im 1. Gang gefahren, ohne Gas zu geben.
  • Bereitschaft: Du musst jederzeit bremsbereit sein.
    • Aktiv bremsbereit bedeutet: Der rechte Fuß ist vom Gas und schwebt über der Bremse. Bei Schaltwagen befindet sich der linke Fuß direkt über der Kupplung.

2. Tastgeschwindigkeit (Unter 7 km/h)

Höchste Präzision für knifflige Manöver.

  • Tempo: „Sehr, sehr langsam“ – deutlich unter der Schrittgeschwindigkeit.
  • Technik: Hier arbeiten wir aktiv mit der schleifenden Kupplung.
  • Bedeutung: Diese Stufe ist die absolute Voraussetzung, um später die Grundfahraufgaben (GFA) und das Rückwärtsfahren präzise zu meistern.

3. Mäßige Geschwindigkeit (25–30 km/h)

Definition:
Es handelt sich um eine deutliche Verringerung des Tempos. Innerorts liegt diese bei ca. 25–30 km/h, außerorts kann sie je nach Situation etwas höher liegen.

Ziel:
Es geht nicht um eine Vollbremsung, sondern um das kontrollierte Weiterfahren mit erhöhter Aufmerksamkeit.

Technik: Wir fahren im 2. Gang.

Die Goldene Regel:
Überall dort, wo mäßige Geschwindigkeit gefordert ist, ist der Blick nach links und rechts zwingend erforderlich. Ohne diesen Blick ist die Aufgabe nicht erfüllt.

Die „Großen Drei“ der Prüfung

Drei Situationen, in denen mäßige Geschwindigkeit und Absicherung über Erfolg oder Misserfolg in der Prüfung entscheiden:

  1. Fußgängerüberweg (Zebrastreifen):
    • Stopp: Wenn Personen am Zebrastreifen sind oder sich im 5-Meter-Bereich davor/dahinter aufhalten -> Anhalten!
    • Fahrt: Ist niemand zu sehen, darfst du nicht einfach „drüberbügeln“. Du musst abbremsen, in den 2. Gang schalten, aktiv nach links und rechts schauen und mit mäßiger Geschwindigkeit passieren.
  2. Bahnübergang:
    • Vorsicht: Auch wenn die Schranken oben sind und kein Licht leuchtet: Mäßige Geschwindigkeit ist Pflicht!
    • Pflichtblick: Du musst deutlich nach links und rechts schauen. Wer heute einfach ohne Kopfbewegung weiterfährt, riskiert das sofortige Ende der Prüfungsfahrt.
  3. Haltestellen & Busse:
    • Situation: Ein Bus steht rechts an einer Haltestelle und blinkt rechts, um Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen.
    • Aktion: Hier gilt mäßige Geschwindigkeit und extreme Bremsbereitschaft, da jederzeit Personen vor oder hinter dem Bus auf die Fahrbahn treten könnten.

Sonderfall Bus: Die 5 Überhol- und Vorbeifahrregeln

An Haltestellen ist besondere Vorsicht geboten. Je nachdem, wie der Bus blinkt, ändern sich deine Pflichten sofort:

  1. Warnblinklicht AN (stehend):
    Lässt der Bus Fahrgäste ein- oder aussteigen und hat die Warnblinkanlage eingeschaltet, darfst du nur mit Schrittgeschwindigkeit (4–7 km/h) vorbeifahren.
  2. Warnblinklicht im Gegenverkehr:
    Das gilt auch für dich, wenn dir der Bus mit Warnblinklicht auf der anderen Straßenseite entgegenkommt: Schrittgeschwindigkeit!
  3. Blinker RECHTS:
    Steht der Bus rechts an der Haltestelle und blinkt nur rechts, gilt die mäßige Geschwindigkeit (25–30 km/h). Auch hier ist der Blick nach links und rechts sowie erhöhte Bremsbereitschaft Pflicht.
  4. Blinker LINKS:
    Möchte der Bus von der Haltestelle losfahren und blinkt links, musst du ihn rausfahren lassen. Nötigenfalls musst du anhalten, um ihm das Einfädeln zu ermöglichen.
  5. Anfahrt mit Warnblinklicht:
    Fährt ein Bus mit eingeschaltetem Warnblinklicht auf eine Haltestelle zu, darf er nicht überholt werden. Sobald er steht, darfst du unter Beachtung der Schrittgeschwindigkeit (Punkt 1) vorsichtig vorbeifahren.